Die „frohe Botschaft“ kam in der letzten Märzwoche: In der Pfarrei St. Sixtus ging ein Anruf aus Frankfurt ein – Pfarrer Michael Ostholthoff hat den Becker-Staritz-Preis für sein Engagement rund um das Thema Kirchenasyl gewonnen. Die Auszeichnung, ausgeschrieben von der in den 50er Jahren gegründeten ökumenischen Gruppierung „action 365“, wurde in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen – für ein besonderes Projekt aus den Bereichen Sozialpastoral und Gemeinwohlorientierung.
„Ich freue mich sehr über diese große Wertschätzung“, so Michael Ostholthoff, der Anfang des Jahres von einem Bekannten über die Ausschreibung informiert und ermutigt wurde, sich doch zu bewerben. Das Engagement der Pfarrei St. Sixtus im Bereich Kirchenasyl war zu dem Zeitpunkt bereits weit über die Stadt- und auch Kreisgrenze hinaus bekannt, nicht zuletzt durch die 2024 gedrehte ZDF-Dokumentation „Endstation Kirchenasyl“ und durch die Ausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ in der Pfarrkirche St. Sixtus. Ein Engagement, das gleichwohl bis heute auch von Gegenwind und Kritik begleitet ist.
„Gemeinsam mit einem tollen Netzwerk, das sich in Haltern gebildet hat, konnten wir inzwischen vielen geflüchteten Menschen ihre fürchterliche Angst nehmen, Hoffnung vermitteln und Perspektiven aufzeigen“, so Ostholthoff. „Dafür nehme ich in meiner Funktion als leitender Pfarrer auch gerne ‚Sonderschichten‘, stundenlange Debatten und den Vorwurf der Naivität und des Gutmenschentums in Kauf. Ich bleibe dabei: Jesus klopft in unterschiedlichster Gestalt an unsere Tür.“ Etwa in Gestalt des jungen Syrers Fawad, dem Michael Ostholthoff spontan Platz in der eigenen Dienstwohnung machte und der heute in der Halterner Gastronomie tätig ist. Oder als syrische Familie, die bereits für ganze Pfarreifeste gekocht hat und deren Familienvater Chadi inzwischen ebenfalls in einem Halterner Restaurant arbeitet. Oder in Person der Afghanin Razeya, die eifrig ihre berufliche Qualifikation vorantreibt.
"Kirchenasyl ist hart für alle Beteiligten"
Bei alledem macht Ostholthoff keinen Hehl daraus, dass das Thema Kirchenasyl hart für alle Beteiligten ist. Unzählige Formulare, Einsprüche, Dokumentsichtungen und Plädoyers beanspruchten viele Stunden des „ohnehin nicht langweiligen“ Arbeitsalltags in der Pfarrei. Die Organisation von Lebensmitteln, Deutschunterricht und Arztbesuchen sei oft mühselig. „Und natürlich müssen wir auch Menschen abweisen, und natürlich endet längst nicht jedes Kirchenasyl mit dem Bleiberecht.“ Doch als Kirche habe man hier eine Verantwortung zu übernehmen, vor der man nicht einfach die Augen verschließen könne.
Michael Ostholthoffs schriftliches Plädoyer für das Kirchenasyl in Haltern und die inzwischen zahlreichen Dokumentationen überzeugten die Jury des Becker-Staritz-Preises am Ende rundheraus. Die Preisverleihung findet am 16. Mai im Frankfurter „Haus am Dom“ statt – „unsere Pfarrei wird mit einer kleinen Abordnung zu der Veranstaltung reisen“, so Ostholthoff. Und schmunzelt: „Wenn wir nicht gerade mitten in der Fastenzeit wären, würden bei uns erstmal die Sektkorken knallen!“ Für ihn und seine Unterstützer sei die Auszeichnung eine großartige Ermutigung, diesen Weg unbeirrt weiterzugehen. Das Preisgeld von 2500 Euro wird komplett in das Halterner Kirchenasyl fließen.
Weitere Infos: www.becker-staritz-preis.de